Familienrecht - Rechtsanwalt in Hamburg / gemeinsames und alleiniges Sorgerecht

Grundsätzlich haben Eltern die Pflicht und das Recht, für ihr minderjähriges Kind zu sorgen. Dabei besteht ein gemeinsames Sorgerecht, wenn die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes miteinander verheiratet sind, wenn die Eltern nach der Geburt heiraten oder wenn die Eltern erklären, dass sie die Sorge gemeinsam übernehmen wollen (Sorgeerklärungen). Die Sorgeerklärungen bedürfen einer öffentlichen Beurkundung z.B. beim Jugendamt oder bei einem Notar. Bei einer Scheidung verbleibt es grundsätzlich beim gemeinsamen Sorgerecht.

Geben die Eltern keine Sorgeerklärungen ab und sind sie nicht miteinander verheiratet, so hatte bisher die Mutter die elterliche Sorge allein. Nach dem Willen des Bundesverfassungsgerichts muss dies geändert werden, da dadurch die Rechte des Vaters eines unehelichen Kindes unangemessen eingeschränkt werden. Bereits jetzt bestehen in den meisten Fällen gute Aussichten für die Väter, das gemeinsame Sorgerecht gerichtlich durchzusetzen. Haben sich nicht verheiratete Eltern getrennt, so gelten für sie die gleichen Bestimmungen wie bei geschiedenen Eltern.

Dem Kindeswohl dient die gemeinsame elterliche Sorge, wenn sie funktioniert, am besten. Erzwungene Gemeinsamkeit kann dem Kind jedoch mehr schaden als nützen. Deshalb sollten Eltern ihre Entscheidung für oder gegen eine gemeinsame elterliche Sorge genau abwägen. In einigen Fällen ist daher zum Wohle des Kindes das Übertragen der elterlichen Sorge auf ein Elternteil allein sinnvoll. Möchte ein Elternteil die alleinige Sorge gegen den Willen des anderen übernehmen, so kann dies unter engen Voraussetzungen gerichtlich durchgesetzt werden. Das Gericht wird dem Antrag auf Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge jedoch nur dann zustimmen, wenn die Aufhebung der gemeinsamen elterlichen Sorge und Übertragung auf nur einen Elternteil dem Wohl des Kindes am besten entspricht.

Auch bei der gemeinsamen elterlichen Sorge müssen nicht alle Entscheidungen, die das Kind betreffen, gemeinsam getroffen werden. Das Gesetz differenziert hier zwischen Angelegenheiten, die für das Kind von erheblicher Bedeutung sind und solchen Angelegenheiten, die das tägliche Leben betreffen. Bei diesen Angelegenheiten des täglichen Lebens darf derjenige Elternteil, bei dem sich das Kind überwiegend aufhält, alleine entscheiden. In diese Kategorie fallen die Organisation des täglichen Lebens, die Kleidung, die Hausaufgaben und Arztbesuche bei nicht schwerwiegenden Erkrankungen.

Bei den Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung handelt es sich beispielsweise um den Aufenthalt des Kindes, die Wahl des Kindergartens oder der Schule, die Ausübung teurer Sportarten oder die Entscheidung über nicht eilige Operationen. Bei Gefahr im Verzug, also z.B. bei unaufschiebbaren ärztlichen Behandlungen darf jeder Elternteil allein entscheiden.

Sie haben Fragen zum Sorgerecht? Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung!

zurück zur Übersicht

Sorgerecht - Scheidung und Kinder

Familienrecht aktuell - News

21.08.2015

Impfen - mal aus rechtlicher Sicht!

Nach den vermehrt aufgetretenen Masernerkrankungen insbesondere in Berlin war das Thema "impfen" häufig in der Presse anzutreffen. Impf-Befürworter und Impf-Gegner lieferten sich hier nicht selten einen...[mehr]

21.08.2015

Unterhalt oder Ausbildung - was müssen Eltern tun, um den Unterhalt für das Kind sicherzustellen?

Wenn sich die Eltern trennen, besteht zumindest gegenüber den Kindern grundsätzlich eine Unterhaltspflicht.Nun hatte das Oberlandesgericht Hamm (OLG Hamm, Beschluss vom 24.04.2015, 12 UF 225/14) darüber zu entscheiden, ob eine...[mehr]

29.07.2015

Neue Düsseldorfer Tabelle zum 01.08.2015

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat die Beträge der Düsseldorfer Tabelle zum 01.08.2015 neu bestimmt. Die Anpassung wurde aufgrund des Inkrafttretens des Gesetzes zur Erhöhung des Grundfreibetrages, des Kinderfreibetrages, des...[mehr]

26.05.2015

Verlängertes Elterngeld unterhaltsrechtlich nicht zu beanstanden

Seit dem 01.01.2015 ist das neue ElterngeldPlus in Kraft getreten, welches Eltern, deren Kinder ab dem 01.07.2015 geboren werden, neue Kombinationsmöglichkeiten von Basiselterngeld, Elterngeld Plus und Partnerschaftsbonusmonaten...[mehr]